Die Friedenskirche

 

allgemeine Informationen

Die evangelische Friedenskirche (540 Sitzplätze) liegt mit dem Pfarrhaus und dem Gemeindehaus in der Mitte in Altenheim. Die 1998 außen und 2005 innen vollkommen neu gestaltete Kirche mit neuer Orgel ist mit dem Kirchplatz ein sehenswertes Schmuckstück unseres Dorfes.

Neuer Flyer mit Beschreibung der Friedenskirche zum Herunterladen:

 

Eine schöne Beschreibung aus acrhitekturgeschichtlicher Sicht findet sich hier: https://badischewanderungen.de.tl/Altenheim.htm

 

Namensgebung

Warum der Name "Friedenskirche"?

Ursprünglich war, weil die Form des Kreuzes vielfältig in den Raum eingetragen ist, der Name 'Kreuzkirche' in der Diskussion. Das Kreuz als Heilszeichen und als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen. Teile des Kirchengemeinderates waren mit diesem Vorschlag unglücklich. Kirchengemeinderat Albrecht Ilch ist zu verdanken, dass wir von jetzt auf gleich zur Lösung 'Friedenskirche' gefunden haben. Er verwies uns auf die Geschichte der Kirche. Kriegszerstört am 3. April 1945, als der sogenannte 'Erbfeind' - die Franzosen auf der anderen Seite des Rheines wohnten, die in unseren Zeiten zu Freunden in der Europäischen Völkergemeinschaft geworden sind. Die wieder aufgebaute Altenheimer Kirche ist also auch ein Zeichen des Friedens und der Freundschaft sichtbar auf der französischen Seite des Rheines. Dies war dem Kirchengemeinderat so einleuchtend, dass der Beschluss, die Altenheimer Kirche „Friedenskirche" zu nennen, einstimmig fiel.

Pfarrer Bodo Holthaus in der "Festschrift zum Jubiläum im Oktober 2013"-

 

Der Turm

Der älteste Teil der Kirche ist der Turm, der wohl im unteren Bereich aus der Zeit der Romanik stammt-Er hat einen quadratischen Grundriss. Weinbrenner hat den der der Turmsockel 1813 von der Vorgängerkirche übernommen und aufgestockt. In seinem Erdgeschoß wies er ein spätgotisches Rippenkreuzgewölbe auf, das aus dem 15. oder 16. Jh. entstammen könnte. Ein gotischer Spitzbogen wurde für den Neubau 1813  nicht abgerissen. Er weist Wandmalereien in Form spätgotischem Ranckwerk auf. Der 1951 wieder aufgebaute Turm weicht deutlich ab vom Turm der 1813 erbauten Weinbrennerkirche.
 
Der Kirchturm vor 1945 und nach dem Neubau von 1951

Quelle: Gemeinde

 

Die Glocken

 
Wie aus den Gemeinderechnungen ersichtlich, sind bei Kriegshandlungen in den vergangenen Jahrhunderten die Glocken oft bei Plünderungen verlorengegangen. So in der Schlacht bei Altenheim im August 1675. Das Schiff mit der großen Glocke soll damals an einer tiefen Stelle gesunken sein. Man nennt diese Stelle heute noch das ,,stete Loch". Es wurde wiederholt nach den ,,verlohrenen Glockhen" gesucht, aber vergeblich. Auch 1703 fiel die damals einzige Glocke den Franzosen wieder in die Hände. Von den 1771 und 1788 neu gegossenen 3 Glocken musste 1917 die mittlere und kleine zur Munitionsherstellung abgeliefert werden. Die älteste von 1771 mit 14 Zentnern blieb allein zurück, bis sie im März 1921 drei Gefährtinnen bekam mit dem Gewicht von 6, 9 und 27 Zentnern.
 
1942 mussten die drei größten Glocken und die vom Türmle [Türmel] abermals im Kriege abgegeben werden. Zurück blieb die kleinste. Sie ist bei dem Kirchenbrand im April 1945 zerschmolzen. Sinnigerweise hat man im Türmle [Türmel] als Ersatz den Puffer eines Wagens der MEG aufgehängt, auf dem der Hammer der Turmuhr die Stunden anschlagen konnte. Der Puffer ist zwischenzeitlich durch eine neue kleine Glocke ersetzt. Von dem jetzigen Kirchengeläute wurden die drei kleineren Glocken 1951 eingeholt und eingeweiht, 1961 die große Glocke.
 

Hörst du nicht die Glocken…?

Was nehmen die Menschen im Dorf von der Kirche war?
Vor allem die Glocken, die um 7 Uhr morgens, zu Mittag und abends um 19 Uhr läuten. Am Samstagabend wird der Sonntag eingeläutet. Die Glocken laden zu Gottesdiensten ein, zu Hochzeiten, Taufe und Beerdigungen.
Vier Glocken sind auf unserem Kirchturm: Christusglocke, Vaterunser-Glocke, Lutherglocke und Taufglocke.
 

Die Glocken

Quelle: Gemeinde

Hörst du nicht die Glocken…?
Was nehmen die Menschen im Dorf von der Kirche war?
Vor allem die Glocken, die um 7 Uhr morgens, zu Mittag und abends um 19 Uhr läuten. Am Samstagabend wird der Sonntag eingeläutet. Die Glocken laden zu Gottesdiensten ein, zu Hochzeiten, Taufe und Beerdigungen.
Vier Glocken sind auf unserem Kirchturm: Christusglocke, Vaterunser-Glocke, Lutherglocke und Taufglocke.
Wir wollen auf unsere Glocken aufmerksam machen, die zum Nachdenken anregen und zum Gebet rufen können. In der nächsten Zeit werden manchmal die Glocken anders läuten als gewohnt. Achten Sie bitte mal darauf! Dann würde ich gerne mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.
Herzlichst Gerald Koch
Altenheimer Glocken hören. Bitte hier klicken!
 

Die Epitaphien

Die Epitaphien an der Ostseite des Kirchenturmes Der Chor der Altenheimer Kirche wurde von Adeligen und Geistlichen als Grablege genutzt. Die „Normalsterblichen“ wurden auf dem um die Kirche gelegenen Friedhof bestattet. Noch 1766 wurden neue Gräber im Chor der Kirche angelegt. 1808, als die Altenheimer Gemeinde den Neubau der klassizistischen „Weinbrennerkirche“, passten Grablegungen von „Honorationen“ in einer Kirche nicht mehr in die Zeit, so dass die „Honoratoriengräber“ aus dem Chor entfernt wurden. Die mit ihnen verbundenen Epitaphien waren an der Außenwand des Turmes eingemauert. Vier dieser Steinplatten stehen heute an der Ostseite des Kirchturmes, die anderen sind verschollen. Epitaphien sind keine Grabplatten oder Grabsteine, sondern Erinnerungstafeln bzw. Totengedächtnismale, die senkrecht an den Innenwänden der Kirche aufgestellt werden. Im Unterschied zu einer Grabplatte sind Epitaphien nicht strikt an den Begräbnisort gebunden, sie könen auch fern des Bestattungsortes als Erinnerungsmal für den Verstorbenen aufgestellt werden. Ein Epitaph trägt eine umfängliche Würdigung des Lebenswerks des Verstorbenen, oft umrankt von allegorischen Bildwerk. Quelle: Kappus-Mulsow. Hanna, Ein Jahrtausend Altenheimer Geschichte, Hundert Jahre Wiederaufbau der Gemeinde Altenheim, o.O., o. J.
 

Lotzbeck

Epitaph des Christian Samuel Lotzbeck
Das  2,50 Meter hohe, 110 cm breite und 25 cm tiefe Epitaph mit seiner reicher Rocaillennrahmung, mit Engelsköpfen und Wappen, erinnert an den „weiland hochehrwürdigen und hochgelehrten Herrn Christian Samuel Lotzbeck (1681-1757), Pfarrer zu Altenheim. Christian Samuel Lotzbeck (1681-1757) stammte aus der bayrischen Stadt Weißenburg am Sand. Seine erste Pfarrstelle trat er in Limberg an, März 1713 wechselte er an die Pfarrstelle in Altenheim, die er bis zu seinem Tod versah. Seine Gattin Anna Christiana, geb. Kast (1681-1751) kam aus einer wohlhabenden Mitgliedsfamilie der Gernsbacher Murgschifferschaft. Die selbstbewusste Pfarrersfrau führte Geldgeschäfte in ihrem eigenen Namen und verlieh gewerbsmäßig Geld an Altenheimer Bürger. Noch im 20. Jahrhundert erzählte man sich in Altenheim Spuckgeschichten von ihr. Ein Enkel des Ehepaares, der Lahrer Freiherr Christians Samuel von Lotzbeck (*1717), gründete die Lahrer Tabakindustrie und war ein Pionier des mittelbadischen Tabakbaus.
Quelle: Kappus-Mulsow. Hanna : Ein Jahrtausend Altenheimer Geschichte, Hundert Jahre Wiederaufbau der Gemeinde Altenheim, o.O., o. J.
 
Die Geschichte der Altenheimer Kirche
 
Die erste Nachricht über eine Kirche in Altenheim findet sich in einer Urkunde vom 28. Mai 888. Diese kleine Kirche wurde - vermutlich ums Jahr 1000 vergrößert und mit einem Turm versehen. Im Jahre 1567 führten die Landesherren Philibert von Baden und Adolf von Nassau-Saarbrücken die Reformation in der Herrschaft Lahr-Mahlberg ein. Für die wachsende lutherische Gemeinde reichte das enge Kirchlein nicht mehr aus. Darum wurde 1602 unter Pfarrer Elias Wolmershäuser ein größeres Langhaus errichtet.  Während des 30jährigen Krieges flohen die Altenheimer mehrfach in die Rheinwälder. 1721 baute Silbermann in Straßburg eine neue Orgel für die Kirche. Beim Übergang der Herrschaft Lahr von Nassau an Baden (1803) hatte der Ort fast 1300 Einwohner. 1808 riss man das Langhaus ab und erstellte innerhalb Jahren ein neues nach den Plänen von Weinbrenner und Frommel. Jetzt bot die Kirche für 1200 Personen Platz. Auch der Turm wurde erhöht, da er für das neue Langhaus zu niedrig war. Am 19. September 1813 erfolgte die Einweihung.
 
 
In den Stürmen des Ersten Weltkrieges blieb die Altenheimer unversehrt. Nur die Glocken und Orgelpfeifen mussten abgeliefert werden. Aber dann wurde sie ein Opfer des Zweiten Weltkriegs.  Am Osterdienstag 1945 wurde die Kirche von Granaten getroffen und stand schnell in hellen Flammen. Nur die Umfassungsmauern blieben stehen.
 
 
 
 
 
 

 
Der Tatkraft von Pfarrer Volz, der von 1948-53 in Altenheim  wirkte, ist es zu verdanken, dass auch der Wiederaufbau der Kirche rüstig voranging. Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten konnte die neue Kirche am 1. Advent 1951 eingeweiht werden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

2. Weltkrieg

„Ich sehe es noch vor mir, wie am 3. April 1945 der Turm leicht schwankte und in Flammen aufging. Kurz war ein heller Glockenton zu hören, dann stürzte die obere Hälfte des Turmes in das Dach der Kirche.“ Das Bild des brennenden Turmes hat sich Richard Karl tiefs ins Gedächtnis eingebrannt. Als Viereinhalbjähriger hat er die  Zerstörung der Altenheimer Kirche miterlebt.

Mitarbeiter der Gemeinde Altenheim hatten über alle Angriffe Buch geführt, denen ihr Dorf in der Endphase des Zweiten Weltkriegs ausgesetzt war. In knappen Worten dokumentierten sie im „Verzeichnis der Luftangriffe und Granatfeuer“ die tragischen Ereignisse des 3. April 1945: „Abgebrannt nach Artilleriebeschuss die Pfarrkirche und die Ökonomiegebäude von Johann Michael Fischer III, Witwe, Kirchstraße 48. Leichter Schaden entstand an zwei weiteren Gebäuden.“ Ein Blick in das Verzeichnis zeigt: Diesem verheerenden Angriff waren zahlreiche  andere vorausgegangen. Der erste Angriff am 22. Oktober 1944 war zugleich der schlimmste: Dem Abwurf einer alliierten Bombe waren drei Erwachsene und drei Kinder zum Opfer gefallen; ein Haus brannte völlig aus. Am 6. Februar 1945 gab es weitere Tote. Die Namen aller Opfer sind auf dem Altenheimer Gefallenendenkmal aufgeführt.

Bis zum Herbst 1944 war der Oberrhein von den Kriegsereignissen weitgehend verschont geblieben. Doch mit dem Vorstoß der alliierten Truppen nach ihrer Landung in der Normandie und in Südfrankreich rückte der Krieg immer näher. Im November 1944 war es den Alliierten gelungen, die deutsche Wehrmacht nach Norden bis in das Elsass hinein vor sich her zu treiben. Am 23. November 1944 befreiten französische Soldaten Straßburg. Ein von der deutschen 19. Armee rund um Colmar bis Rheinau gehaltener Brückenkopf, musste Anfang Februar 1945 aufgeben werden. Mit einem Schlag war der Rhein nun zur Hauptkampflinie geworden.

Auf der elsässischen Seite der Front lag die 1. Französische Armee. Sie stand unter dem Kommando von General Lattre de Tassigny, dem Charles de Gaulle, der Präsident der provisorischen Regierung Frankreichs, ein klares Ziel vorgegeben hatte: „Karlsruhe und Stuttgart warten auf Sie!“. Dazu aber musste er den Rhein überqueren. Auf der deutschen Rheinseite versuchte die schwer angeschlagene 19. Armee mit Hilfe schlecht ausgebildeter Volkssturmmänner ein Übersetzen der Franzosen zu verhindern. Für sie galt die von Hitler am 14. September 1944 ausgegebene Parole: „Jeder Bunker, jeder Häuserblock in einer deutschen Stadt und jedes deutsche Dorf muss zu einer Festung werden, an der sich der Feind verblute oder die ihre Besatzung im Kampf Mann gegen Mann unter sich begräbt. Es gibt nur noch Halten der Stellung oder Vernichtung.“

Am 4. Februar 1944 begannen die Franzosen die Dörfer am Rhein und in den Vorbergen unter Beschuss zu nehmen. Es verging kaum ein Tag, wo unser Dorf nicht mit einigen Granaten bedacht wurde“, berichtete eine Altenheimer Zeitzeugin. „Kriegsandachten getraute man sich nicht mehr in der Kirche zu halten. Beerdigungen fanden sang- und klanglos morgens im 7 Uhr oder abends um 8 Uhr statt.“ Um die französischen Stellungen orten zu können, nisteten sich Beobachtungsposten in den Kirchtürmen der Rieddörfer ein: Sie brachten damit die Dörfer in größte Gefahr, den die französischen Geschütze richteten ihr Granatfeuer nun gezielt auf die zumeist in der Ortsmitte stehenden Kirchtürme. Dies war wohl der Grund, weshalb der Kommandant des Ichenheimer Volkssturms am 17. Februar 1945 dem Lahrer NSDAP-Kreisleiter die Sprengung des Ichenheimer Kirchturms vorschlug: „Ansonsten (sei) mit weiterem Beschuss zu rechnen“.

Am 3. April 1945 schließlich erfolgte die Vernichtung der Altenheimer Kirche durch französische Geschosse. Zuerst schien es, als wäre sie nicht so schwer getroffen. Einige Altenheimer wagten sich sogar ins Kircheninnere, um zu retten was zu retten war, es wurde sogar versucht, die Orgel auseinander zu nehmen, um Teile vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Als klar wurde, dass der Brand sich ausbreitet, gaben sie auf. Richard Karl erzählte, dass am Tag danach im ganzen Dorf Pfeiftöne zu hören waren. Es rührte von den Orgelpfeifen her, die sich Buben aus der brennenden Kirche geholt hatten, später aber wieder abgeben mussten. Laut Augenzeugen hatten die Löscharbeiten zur Rettung der Kirche zu spät eingesetzt. Eine Mitschuld gaben sie dem Altenheimer Ortsgruppenführer der NSDAP, dem es nur darum gegangen sei, den ebenfalls in Brand geschossenen landwirtschaftlichen Anwesens zu retten. BDM-Mädchen, die zur brennenden Kirche eilten, rief er zu: „Ein großer Bauernhof ist wichtiger als die Kirche“.

Die nackten Umfassungsmauern der Kirche und der Turmstumpf zeugten bis zum Wiederaufbau der Kirche 1951 vom Schrecken des Krieges, der auch vor Altenheim nicht halt gemacht hatte. Der damals neue Altenheimer Pfarrer Hermann Volz sah darin ein Symbol der Strafe Gottes. In seiner Antrittspredigt 1948 brachte er dies in mahnenden Worten zum Ausdruck: „Wir sollen und müssen und darüber ganz eindeutig im Klaren sein, dass die gen Himmel ragende und weit im Land sichtbare Kirchenruine ein Zeichen ist von Gottes unerbittlichem Gericht. Der Gott, der seiner nicht spotten lässt, Er hat es zugelassen, dass diese Kirche zerstört wurde. So ist die Kirchenruine ein Zeichen, dass uns jeden Tag zur Busse, d. h. zur Umkehr und zum Anderswerden ruft.“

 

 

Geschichte von Johanna Kappus

Johanna Kappus, geb. Mulsow
In Wegweiser für den Kirchenbezirk Lahr im Schwarzwald in Vergangenheit und Gegenwart. Herausgegeben vom Evang. Dekanat Lahr / Schwarzwald, Hof (Saale) 1956, S. 34-37
 
Mittelalter
Die erste Nachricht über eine Kirche in Altenheim findet sich in einer Urkunde vom 26. Mai 888. In ihr verschreibt König Arnulf dem Priester Isenbrecht 8 Hufen in den Dörfern Auenheim und „Aldanheim in der Mortenau”. Bei der Aufzählung des Zubehörs nennt die Urkunde an erster Stelle: „Ecelesiam ibidem constructam", d. h. die daselbst erbaute Kirche. Wahrscheinlich stand an der Stelle des heutigen Gotteshauses ein Kirchlein, das die fränkische Besatzungsmacht für die Bewohner des Fronhofes errichten ließ. Als auch die beherrschten Alemannen Christen wurden, wurde diese vermutlich ums Jahr 1000 - vergrößert und erhielt auch einen Turm.
Erst um 1300 lichtet sich etwas das Dunkel, das über der Geschichte des Dorfes liegt. Straßburger Adelsgeschlechter waren damals Inhaber des Altenheimer Zehnten und Kirchensatzes als Lehen des Bischofs von Straßburg. Im 16. Jahrhundert hören wir, das St Andreashospital und die Klöster Gengenbach und Schutter n hier Besitzungen hatten. Einige Geschlechternamen aus jener Zeit haben sich bis heute erhalten.
 
Reformation
Im Jahre 1567 führten die Landesherren Philibert von Baden und Adolf von Nassau-Saarbrücken die Reformation in der Herrschaft Lahr-Mahlberg ein. Der letzte katholische Pfarrer, Claudius Barnotti, wurde vor die Wahl gestellt, entweder sich in Lehre und Zeremonien hach der Augsburger Konfession zu verhalten oder die Pfarrei zu räumen. Er wählte das letztere. Ihm folgte als erster lutherischer Geistlicher der Magister Johann Renfft, „ein frommer Herr". Für die wachsende lutherische Gemeinde reichte das enge Kirchlein nicht mehr aus. Darum wurde 1602 unter Pfr. Elias Wolmershäuser ein größeres Langhaus errichtet. Die Fundamente von diesem Bau wurden, wie auch die vom 1. Kirchlein, beim Neubau 1950 festgestellt.
 
Dreissigjähriger Krieg
Doch bald wurde diese neue Kirche zu groß; zeitweilig stand sie ganz verlassen. Denn in der 2. Hälfte des 30jährigen Krieges zogen sich die Heere auch nach Mittelbaden. Nach der Schlacht von Nördlingen, am 3. und 6. September 1635, begann die schwerste Leidenszeit in der Geschichte Altenheims. Johann Heinrich Büttner, der vorher in Ichenheim war und 1635 Pfarrer in Altenheim wurde, berichtet im ältesten Kirchenbuch von jener Not „Weil dazumal die Pfarrkinder und Bauern der Dörfer am Rhein, sich wegen Kriegsgefährlichkeit mehrereteils in den Auen und Rheinschollen haben aufgehalten, und deswegen auch die Altenheimer in der alten Auen und benachbarten Orten zwischen dem Rhein mit ihrem Vieh und Armut bewohnet haben: ist von den beiden Herren Marggräflischen und Nassauischen Amtsleuten befohlen worden: dass die nächstgesessenen Pfarrherren, welche alle damals in der Stadt Straßburg sich aufhielten, die Pfarrei Altenheim ein Vierteljahr bedienen und versehen."
Erst im Winter kehrten die Bewohner in die Dörfer zurück, und: am 24. Sonntag nach Trinitatis predigte Büttner in der Altenheimer Kirche, „da zuvor in 61 Wochen keine Predigt darinnen gehalten worden".
Aber schon im Februar 1639 musste Büttner mit seinen Pfarrkindern wieder fliehen. Es war nicht das letzte Mal in den Wirren des 30jährigen Krieges. In der alten Au, dem jetzigen Altenheimer Hof, hat Büttner oftmals gepredigt, Kinder getauft und Ehen eingesegnet. Die Zahl seiner Gemeindeglieder nahm erschreckend ab. 1639 waren nur 2 Taufen, in den beiden folgenden Jahren 4 und 3. Ein großer Teil dieser Kinder starb im frühesten Alter.
 
Wieder Krieg ....
Am Palmsonntag 1654 wurden nur 6 Mädchen aus 5 Jahrgängen konfirmiert, kein einziger Knabe! Nur langsam wuchs die Gemeinde in den Jahren nach dem großen Krieg. 1660. waren wieder 17 Taufen. Viele Schweizer strömten in das menschenleere Land am Oberrhein. Aber nur wenige blieben in Altenheim. Sie verheirateten sich mit Landeskindern und traten vom reformierten oder katholischen Bekenntnis zum lutherischen über oder ließen doch ihre Kinder lutherisch taufen. Mehr Zuwachs kam aus dem Elsass, vereinzelt auch aus Württemberg. 1675 begann eine neue Leidenszeit. Sie dauerte mit kurzen Pausen bis 1713. Im Frühsommer 1675 schlugen die Franzosen im Altenheimer Bann eine Schiffbrücke. „dadurch der gänzliche Ruin des Fleckens erfolget. Von dieser Zeit an ist die ganze Gemein zerstreuet worden“. Ein Teil blieb wieder in der alten Au, wo Büttners Nachfolger Jodocus Scherer die Gemeinde mit dem Trost der frohen Botschaft diente. Dort draußen geschah es auch, dass er zu Beginn einer Predigt vom Schlag getroffen wurde. Er starb bald darauf in Straßburg. 1677 „ist Altenheim neben andern umliegenden Orten, von den Franzosen bis an die Kirch, das Pfarrhaus und etliche dabei liegende Häuser völlig verbrandt und in Aschen gelegt worden”. Glücklicherweise war auch das ehrwürdige Kirchenbuch, das Büttner begonnen hatte, mit auf die Flucht genommen worden. Pfarrer. Georg Burkhard (1682-1703) versuchte später aus Notizzetteln seiner Vorgänger und deren Vertreter sowie nach Angaben der Hebamme die Taufen, Trauungen und Beerdigungen nachzutragen. Aber von vielen Gemeindegliedern ist der Tod nicht eingetragen worden. Sie werden wohl in der Fremde verdorben und gestorben sein. Manches Mal kann der Zeitpunkt nur annähernd erraten werden, wenn die Witwe oder der Witwer wieder heirateten.
Fast jährlich stand in jener Zeit über dem Leben der Altenheimer Bürger das Wort Flucht! Im April 1703 starben z. B. 2 Frauen und ein Kind, die vom Ehemann und vom Vater selbst begraben wurden, „ohne Gesang und Klang, weil die Glocke weg und wir in die Flucht gingen“. 1705 erwischten französische Marodeure in den Hecken zwei Altenheimer Bürger. Der eine wurde erschossen, der andere elendiglich gemartert, lebend an einen Baum genagelt, „gleichsam gekreuziget“ und endlich erstochen. Noch im Jähre 1713 ertranken 10 Einwohner, meist Frauen und Kinder, auf der Flucht vor Marodeuren.
 
Neue Glocken und die Silbermann-Orgel
Unbeschreiblich war die Armut in dieser Zeit und in den folgenden Jahren. Zähester Fleiß war nötig, um die waldüberwachsenen Äcker zu roden, die verbrannten Häuser zu ersetzen und Vieh und Hausrat zu beschaffen. Auch die Kirche kam allmählich wieder in Stand. 1716 wurde eine Glocke als Ersatz für die geraubten gekauft. 1721 baute Silbermann in Straßburg eine neue Orgel für die Kirche. Nach 150 Jahren wurde die Kirche zu klein. Zur Vergrößerung wurde die Nordwand des Langhauses um 10 Schuh über einen Streifen des Gottesackers weg hinausgerückt. In den Jahren 1771 und 1788 konnten 3 neue Glocken zu der ersten hinzugekauft werden für den damals noch niederen Kirchturm. Im Jahre 1788 wurde auch das alte Pfarrhaus durch ein größeres ersetzt, das die zehntberechtigten und baupflichtigen Herren von Rieneck aus ihrem Rohrburger Besitz nach Altenheim überführen ließen. Dieses Haus dient heute noch der Pfarrfamilie als Unterkunft.
1790 hatte das Dorf wieder 287 Bürger und 37 „Witweiber”, das sind so viele Einwohner wie 1618. Von nun an nahm die Bevölkerung rasch zu. Am Ende des Jahrhunderts kam erneut Not über das Dorf. 1797 waren wohl 45 Taufen, aber 101 Einwohner starben. Ein Teil von ihnen waren Kehler, die noch öfter als die Altenheimer fliehen mussten. Beim Übergang der Herrschaft Lahr von Nassau an Baden (1803) hatte der Ort fast 1300 Einwohner. Der neue Landesherr, Karl Friedrich, sorgte unermüdlich für einen wirtschaftlichen Aufstieg und eine bessere Schulbildung.
 
Bau der "Weinbrenner Kirche" 1813
Neues Leben regte sich nach den vielen Kriegen. Nun flickte man auch nicht mehr an der alten Kirche herum, sondern riss 1808 kurzerhand das Langhaus ab und erstellte in 5 Jahren ein neues nach den Plänen von Weinbrenner und Frommel. Jetzt bot die Kirche für 1200 Personen Platz. Auch der Turm wurde erhöht, da das neue Langhaus zu niedrig war. Am 19. September 1813 erfolgte die Einweihung der Kirche.
1821 wurde die Union eingeführt. Die Altarschranken, Kerzen und Kniepolster  wurden entfernt und beim Abendmahl Brot gereicht an Stelle der Hostie. Damals kam die silberne Hostienlade außer Gebrauch, die 1699 von einem Rohrburger Seren gestiftet worden war. Auch die Zinnkanne, die 4 schwedische Dragoner, Paten eines Soldatenkindes, 1649 „auf den Altar in der Kirchen zu Altenheim zu immerwehrendem Gedächtnus“ gestiftet hatten, war lange Zeit nicht mehr im Gebrauch, sondern in Vergessenheit geraten.
1851-55 zogen schwere Hungerjahre über die Gemeinde. Viele wanderten aus die Neue Welt. Dekan K. Fr. Arnold beschreibt den schweren Abschied. Er selbst ist der Gründer der Gemeindesparkasse. Sein Nachfolger Jakob Gilg errichtete eine Kleinkinderschule, die zuerst in einem Privathaus untergebracht war. Durch die Pfarrer Hansult und Mulsow wurde die Kirche unter großen Kosten renoviert.
 
Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg (mehr dazu bitte hier klicken)
In den Stürmen des 1. Weltkrieges blieb sie unversehrt. Nur die Glocken und Orgelpfeifen mussten abgeliefert werden. Aber dann wurde sie ein Opfer des 2. Weltkriegs. Am Osterdienstag 1945 wurde sie von Granaten getroffen und stand schnell in hellen Flammen. Nur die Umfassungsmauern blieben stehen. Doch nicht nur die Kirche, sondern das ganze Dorf hatte im 2. Weltkrieg schwer zu leiden. Zweimal mussten die Bewohner, wie ihre Vorfahren, Hab und Gut verlassen und auf die Flucht sehen. Und als die Feindseligkeiten zu Ende waren, war kaum ein Haus unbeschädigt.  
Mit ungebrochenem Eifer gingen die Bürger nach dem Kriegsende an die Arbeit. Schon nach kurzer Zeit waren die meisten Schäden beseitigt. Der Tatkraft von Pfarrer Volz, der von 1948-53 hier wirkte, ist es zu verdanken, dass auch der Wiederaufbau der Kirche rüstig voranging. Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten konnte sie am 1. Advent 1951 eingeweiht werden. Wie einst ihre Vorfahren, haben die Altenheimer Bürger gemeinsam gearbeitet, damit ihre Kirche wiedererstehe zur Ehre Gottes und zum Wohl der Gemeinde. Dank der Opferwilligkeit ist es gelungen, die Schuldenlast bereits zum größten Teil abzutragen. Möge nun das neue Gotteshaus vielen Geschlechtern zur Erbauung dienen in allen Nöten dieser Zeitlichkeit.
 

Kichenlinien

Vom Kirchturm ausgehend hatten einst die Kirchenlinien von Grenzstein zu Grenzstein die Gemarkungsgrenzen einer Gemeinde markiert – bis hin zu den deutschen Gemeindeflächen auf der französischen Seite links des Rheins. Schwanaus Revierförster Klaus Niehüser hat nun bereits in Nonnenweier zwischen Dorf und Rhein wieder eine Transversallinie anlegen lassen, die im Volksmund Kirchenlinie genannt wird. Anhand alter Karten und dem noch vorhandenen Rheinmärker, sprich dem großen Grenzstein, konnte er die genaue Lage der einstigen Kirchenlinie bestimmen. Niehüser ließ die Trasse im Wald wieder so freischlagen, wie sie im Rheingrenzvertrag von 1840 beschrieben wurde. Rechts und links der Trasse ließ er wieder Pyramidenpappeln pflanzen, damit die Schneise auch künftig offenbleibt. Noch in diesem Frühjahr, so Niehüser, wird der historische Zustand der Kirchenlinie Nonnenweiers wieder hergestellt sein. Sie ist bereits jetzt vom Rheindamm aus, etwa 100 Meter südlich der Panzerrampe, zu sehen. Die zweite Kirchenlinie in Nonnenweier, bedauert der Förster, kann aufgrund der Polderarbeiten derzeit (noch) nicht wiederhergestellt werden. "Sobald die Arbeiten am Rückhalteprojekt abgeschlossen sind, werden wir auch diese Nonnenweierer Kirchenlinie in ihrem ursprünglichen Zustand wieder zugänglich machen", versichert er.
 

Göckel-Orgel

Zur Gestaltung der neuen Göckel-Orgel

Die Orgel im Chorraum der evangelischen Friedenkirche in Neuried-Altenheim versteht sich als konsequent integrativer Bestandteil des mit viel Einfühlungsvermögen und mit feinen Details gestalteten Kirchenraumes.

Die Achsen der hellen, freundlichen Raumschale werden mit formal als Wandscheiben ausgearbeiteten großformatigen Malereien betont. Auch die Orgel wird in ihrem Sockelbereich von zwei dieser Wandscheiben rechts und links eingefasst.

Das Instrument stellt sich selbstbewusst als turmartige, symmetrische Skulptur zentral in der Hauptblickachse hinter dem Altar dar.

Durch die Verwendung von Eichenholz für dieses Element wird auch eine materielle Verbindung zwischen den Bänken, den Prinzipalstücken und der Orgel hergestellt. Die Prospektpfeifen sind in 3 Felder gegliedert und stellen eine Verbindung zu der umlaufenden Empore dar. Das zentrale Feld wird von der Stele getragen und ist in sich nochmals dreigeteilt. Die 7 Prospektpfeifen im Zentrum der Orgel ragen nach oben aus dem Gehäuse heraus und bilden mit den Pfeifenabschlüssen einen weichen Bogen. Die rechts und links flankierenden Pfeifenformationen nehmen den Verlauf der Labien, aus dem Zentrum kommend in ihren Pfeifenabschlüssen auf und erzeugen eine Dynamik nach oben. Die rechts und links an das zentrale Feld anschließenden Pfeifentürme sind schlanker und höher. Sie wiederholen die aufwärtsstrebende Dynamik und setzten nach außen eine Art Wellenbewegung fort. Die gesamte Front folgt im Grundriss einem Kreisbogensegment und erhält durch die leicht vor- und zurückgesetzten Bauteile eine zusätzliche Raumtiefe.

Die Schleierbretter setzen das Kreisbogen-Gestaltungsprinzip spielerisch fort, indem sie vertikal abwechselnd dem Schwung folgen und sich dann wieder als Gegenschwung darstellen. Dieses Wechselspiel zwischen konkav und konvex verjüngt sich außerdem nach oben, wodurch wiederum der dynamische Eindruck unterstützt wird.

Die für die Schleierbretter verwendete Messinglegierung CuZn 37 bildet mit ihrer mattierten goldfarbenen Oberfläche einen spannenden Kontrast zu den silbrig glänzenden Prospektpfeifen. Mit einer inszenierten Beleuchtung im Schleierbrettbereich können farbliche Effekte individuell erzeugt werden.
 
Die elfenbeinfarbene Gehäuseoberfläche der 3 Pfeifenfelder setzt bewusst einen helleren Akzent zu der Eichenholzstele.
 
Selten besteht die Möglichkeit, eine Orgel an einer derart exponierten Stelle zu bauen und als raumintegratives Gestaltungsobjekt zu betrachten. Wir bedanken uns bei Herrn Hans Reichert von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau und bei Herrn Werner Sandhaus für die konstruktive Zusammenarbeit in der Planung sowie bei allen Beteiligten.
 
Wir wünschen der Kirchengemeinde und allen Besuchern viele erfüllende synästhetische Erlebnisse mit der neuen Orgel.
 
Markus Artur Fuchs, Gestalter
Christoph Manuel Beysser, Gestalter
Karl Göckel, Orgelbauer

 
 

Gestaltungskonzept 2005

Bei der Neugestaltung des Innenraumes der Friedenskirche war der Wunsch der Kirchengemeinde, eine neue Orgel zu bauen und diese Orgel vorne in den Chorraum zu stellen, richtungsgebend.

Kernpunkt für die Aufgabenstellung und wohl auch Triebfeder für das geplante Vorhaben war der Wunsch der Kirchengemeinde, eine neue Orgel zu bauen und diese Orgel vorne in den Chorraum zu stellen.
Dabei bestand eine wichtige Aufgabe darin, dem Pfarrer und dem liturgischen Geschehen keine Konkurrenz entstehen zu lassen. Deshalb wurde die Orgel mit dem Pfeifenprospekt in die Ebene der Empore gesetzt, gleich dem historischen Kirchenbau, bevor er im Krieg zerstört wurde, und bildet so den würdigen Rahmen für den Altarraum, ohne selber an Glanz und Bedeutung zu verlieren.
 
Eine Altarinsel im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr: die 2stufige Erhöhung des Chorraumes wird durch die Anordnung über die ganze Breite optisch zurückgenommen, denn das Ziel war, den Altarraum nicht als Schaubühne anzulegen, sondern lediglich zu erhöhen, um das liturgische Geschehen mit den Augen besser verfolgen zu können. Dadurch entsteht ein sehr großzügiger Handlungsraum für unterschiedliche Gottesdienstformen, für Konzertaufstellungen, Meditationen und vieles mehr.
 
Es gibt eine Grundbestuhlung mit kurzen, tragbaren neuen Bänken, so dass der Raum im Alltag ausreichend gefüllt ist, aber bei geringerer Besucherzahl nicht leer wirkt, und eine Zusatzbestuhlung, um die Kirche dem Bedarf entsprechend aufzustocken.
 
Die Fenster über und unter der Empore werden durch eine Farbgestaltung miteinander verbunden und überspringen so die Empore: Der Raum geht jetzt nicht mehr von Emporenkante zu Emporenkante, sondern von Außenwand zu Außenwand, diese Erweiterung tut dem Raum gut. Bei tiefer stehender Sonne gibt es ein wunderbares, ständig wechselndes Farbspiel auf den ruhiger Wandflächen.
 
In der Mitte der neu gefassten Fenster wurden die Glasmosaike erhalten, die in entbehrungsreicher Zeit von Gemeindemitgliedern gespendet wurden. Sie haben nun einen neuen Rahmen.
 
Die drei vom Künstler Harald Herrmann gestalteten Eingangswandtafeln und die Wandscheiben neben der Orgel bilden im Raum ein deutlich wahrnehmbares Achsenkreuz. Nun liegt durch das Kräftespiel zwischen den besonders gestalteten Wandtafeln, der Taufschale und dem Altarraum mit Altar, Kanzel der Schwerpunkt in der Kirche. Bei den Menschen.
 
Schon in der 1813 vom Weinbrennerschüler Frommel erbauten Altenheimer Kirche stand die Orgel vor der Chorwand im Osten. Der dahinter liegende Spitzbogen war in einer Vorgängerkirche, von der der Turmsockel heute noch steht, offensichtlich nachträglich eingebaut worden. Der Turm mitsamt seinem gotischen Spitzbogen wurde für den Neubau 1813 nicht abgerissen, sondern aufgestockt und Frommel stellte damals die Orgel vor den Spitzbogen. Die neue Kirche war in klassizistischem Stil errichtet, mit seiner klaren Formstrenge und Stilreinheit. Auch aus diesem Grunde sind die neuen Bauteile sehr streng und formneutral gehalten und geben dem Raum seine ursprüngliche Einheit zurück.
 
Der Spitzbogen dient nach dem Einbau der Orgel als würdevoller Zugang zur Sakristei, die sich nun im Turmraum der Sakristei befindet und auch als Gesprächsraum genutzt wird.
 
Er steht für sich allein, für den neugierigen Besucher sofort erkennbar, als lebendiger Zeitzeuge einer älteren Vorgängerkirche ablesbar, er wird Neugierde an der gelebten Baugeschichte wecken können oder nur Ornament sein.
 
Ein schönes Zeitzeugnis ist der alte Taufbrunnen, den man schon in älteren Renovierungen ungefähr an der jetzigen Stelle ausgraben hat. In früheren Zeiten wurde das Taufwasser durch das Loch in der Mitte der Erde wieder anvertraut. Dieser Stein befindet sich heute unter der neuen Taufschale in der Mitte der Gemeinde.
 
Ich wünsche mir, dass in der Gemeinde die Hoffnung lebt, dass das Neue nach einer gewissen Zeit das Vertraute und Liebe werden kann.
 
Ich wünsche der Gemeinde, dass sie in der renovierten Kirche lebendige Gottesdienste feiert, ihre Gemeinschaft erlebt oder großartige Konzerte hört, und dass der Einzelne die Kirche auch im Alltag besucht, um zu beten, zu meditieren oder auch einfach nur, um sich auszuruhen, um aufzutanken und neue Kraft zu schöpfen.
 
 

Werner Sandhaus, Architekturbüro Werner Sandhaus Freiburg

Evangelische Kirchengemeinde Altenheim: 200 Jahre. 1813-2013. Evangelische Kirche Altenheim. Festschrift zum Jubiläum im Oktober 2013, Neuried 2013, S. 32-34

 

Künstlerische Konzeption

Zur künstlerischen Konzeption und Ausgestaltung der Friedenskirche in Altenheim

Sichtbar ist ein sich über drei Bildtafeln dehnendes Kreuz, durch das man die Kirche betreten und verlassen kann. Den Altarraum fasst seitlich eine von der Orgel getrennte Schale ein. Kreuz und Schale sind sehr alte, fundamentale Symbole christlichen Glaubens.
Sie erscheinen hier in ihrer künstlerischen Ausgestaltung in Form einer großen energetischen Aufladung, die dem Betrachter die Möglichkeit zur Besinnung und Teilhabe anbietet. Eine Art An-Teil-Nahme an Offenheit und Offenbarung. Die künstlerische Gestaltung dient dem Raum, der neuen architektonischen Raumsprache, der sakralen und spirituellen Bestimmung und seiner Öffentlichkeit.
Die gelben und roten Farbkompositionen der Fenster sind mit zwei sehr unterschiedlichen Glasmaterialien ausgestaltet worden. Die Gläser wurden direkt bemalt und machen mit ihrer Malerei den Materialanspruch des Kirchenraumes noch einmal zum Thema. Sie rhythmisieren den Raum, bleiben dabei eigenständig, schmücken und begleiten. Mit ihrer Vertikalität verleihen sie dem Raum eine Art Licht-Tiefe.
 
Harald Herrmann, Künstler
 

Orgel: Konzeption

Die Göckel Orgel
 
In der Orgel, Opus 64, kommen 2103 Pfeifen aus Zinn und Holz zum Klingen. Die größte Pfeife ist 4,50 m lang und die kleinste ca. 9 mm kurz. Jede Einzelpfeife eines Registers ertönt nach einem ihr eigenen Ton, je nach ihrer Beschaffenheit. Sieben Blasebälge, die Lunge der Orgel, gespeist durch ein elektrisches Gebläse mit einer Leistung von 28 cbm Luft/Minute, versorgen die Windladen (Kästen, auf denen die Pfeifen stehen) mit Wind. Die mechanischen Verbindungen zwischen den Tasten und den Ventilen im Inneren der Orgel bestehen aus kleinen Holzstäbchen mit einem Querschnitt von 1 x 6 mm.
 
Der Begriff „Klaviatur“ kommt von „Clavis“ und heißt aus dem griechischen übersetzt „Schlüssel“. Mit Hilfe dieser Schlüssel, also Tasten, können die Töne aufgeschlossen werden. Für das Orgelgehäuse wurden 8 cbm astfreies massives Holz aus Eiche und Fichte sowie andere hochwertige Materialien wie Knochenbeläge und Ebenholz für die Tasten verarbeitet.
 
Die Registertraktur arbeite elektrisch mit 1024 elektronischen Setzmöglichkeiten.
 
Disposition
 
Manual I       Hauptwerk              C-'''
  1                Principal                 8'
  2                Viol di Gamb           8'
  3                Rohrflöte                8'
  4                Octave                   4'
  5                Flöte                      4'
  6                Octave                   2'
  7                Mixtur IV                1 1/3'
  8                Cornet V                8'
  9                Trompete               8'
10                Voix humaine          8'
 
Manual II      Schwellwerk            C-a'''
 11               Bourdon                  16'
12                Flüte travers           8'
13                Salicional                8'
14                Vox coelestis           8'
15                Bourdon                  8'
16                Prestant                 4'
17                Flüte octaviante     4'
18                Nasard                    2 2/3'
19                Octavin                   2'
20                Tierce                    1 3/5'
21                Plein jeu V              2'
22                Trompette              8'
                    harmonique          
23                Hautbois                 8'
24                Clairon                   4'
                   -Tremblant -          
 
Pedal                                         C-f
25                Subbass                  16'
26                Octavbass                8'
27                Gedecktbass            8'
28                Octave                    4'
29                Posaunbass              16'
30               Trompetbass            8'
 
Koppeln
II/I
Sub II/I
I/Pedal
II/Pedal
 

Orgelbauverein

„Soli Deo Gloria — Gott allein sei Ehre“
Diesen Satz schrieb der berühmte Komponist Johann Sebastian Bach unter viele seiner großartigen Werke.
Spätestens seit dem 17. Jahrhundert wurden überall in deutschen Landen Kirchenorgeln in den Gotteshäusern aufgestellt. Zur Ehre Gottes sollten sie die Liturgie unterstützen und den Gottesdienst musikalisch umrahmen. So war es auch in Altenheim.
Die erste Orgel in Altenheim wurde von Andreas Silbermann, der im nahen Straßburg wirkte, im Jahre 1721 gebaut. Im Zuge der Erweiterung des Kirchenraums anno 1808 musste auch die Silbermann-Orgel ihren Dienst quittieren — sie war zu klein für das neue Gotteshaus. Die politische Gemeinde (!) ließ eine neue Orgel bauen. Den Auftrag erhielt Blasius Schaxel aus Herbolzheim. Diese Orgel wurde 1811 in der Altenheimer Kirche installiert, auf der westseitigen Empore. Ein Jahr alt, wurde sie schon durch Blitzschlag beschädigt und musste repariert werden. Danach diente sie aber lange Zeit als königliches Instrument — bis zum 3. April 1945, als die Kirche durch Artillerie-Beschuss bis auf die Außenmauern niederbrannte.
Nach dem Wiederaufbau der Kirche musste auch eine neue Orgel gebaut werden. Die Firma Steinmeyer erhielt den Auftrag und setzte das neue Instrument auf die westliche Empore. Leider kamen Anregungen und Vorschläge von Albert Schweitzer zu spät, die Orgel war schon in Auftrag gegeben. Am 10. August 1952 wurde sie durch Landeskirchenmusikdirektor Rumpf eingeweiht. Da in der Nachkriegszeit keine oder wenige wertvolle Materialien zur Verfügung standen (für Pfeifen, Taschenventile, Kontaktnadeln, elektropneumatische Traktur), waren schon nach wenigen Jahren immer wieder kostenintensive Reparaturarbeiten notwendig.
Im Jahre 1985 fasste das Evangelische Orgel- und Glockenprüfungsamt Karlsruhe sein Überprüfungsergebnis in folgender Aussage zusammen: „Natürlich wäre es am schönsten, wenn wir das Instrument aufgeben und durch einen Neubau ersetzen könnten.“
Im selben Jahr wurde unter Leitung von Pfarrer Gerhard Allmendinger ein „Orgelfonds" gegründet. Der Orgelbau[1]sachverständige Georges Aubert und Organist Alfred Lauel schlugen der Kirchengemeinde immer wieder einen Orgelneubau vor. Am 30.12.2000 beschloss dann der Kirchengemeinderat, eine neue Orgel am früheren Standort im Chorraum an der Ostseite zu installieren. Auf Vorschlag von Pfarrer Bodo Holthaus wurde am 09.05.2001 ein Orgelbauverein gegründet, der zwei grundlegende Aufgaben übernahm:
● Finanzierung über Spendengelder, Benefizveranstaltungen und weitere Aktionen innerhalb der Ortschaft, z.B. zwei Flohmärkte mit enormen Gewinnsummen. »
● Beratung des Kirchengemeinderats zur Ausschreibung und Ausführung des neuen Instruments, vor allem was Prospektgestaltung und Disposition betraf.
Alle im Dienste des Orgelneubaus engagierten Personen freuen sich von Herzen, das wunderschöne „Gesicht“ (Prospekt) sehen zu können und die majestätischen Klänge hören zu dürfen. Erbaut wurde die neue Orgel von der Firma Göckel aus Mühlhausen-Rettigheim. Die Arbeit dieser Firma über[1]zeugte uns während unserer „Orgelfahrten“, die der Vorbereitung der Ausschreibung dienten, vor allem durch die hervorragende Klangqualität in jedem von uns besuchten Kirchenraum.
Dass die Orgel nun als letztes Element der Kirchenrenovierung auch eine wunderschöne architektonische Ergänzung des neu gestalteten Kirchenraums verkörpert, ist für die Altenheimer Kirchengemeinde ein großes Geschenk.
Allen, die durch Spenden, kritische und aufbauende Beratung, kompetente Arbeit und empathische Unterstützung mitgeholfen haben, dieses Werk zu vollenden, sei an dieser Stelle von Herzen gedankt, namentlich den Herren Göckel und Fuchs von der Orgelbaufirma, Herrn Aubert als Orgel[1]bausachverständigem, Herrn Reichert von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau sowie Herrn Sandhaus, dem Architekten der neuen „Friedenskirche Altenheim“.
Möge das neue königliche Instrument viele Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte erklingen zur Ehre Gottes —
„Soli Deo Gloria“
Siegfried Biegert Vorsitzender Orgelbauverein Altenheim