Letzte Veranstaltungen

Quelle: Sextaccord

Weihnachtsausklang mit SEXTAKKORD

Konzert zum Weihnachtsausklang am 2. Weihnachtsfeiertag 2018.

Film zur Ausstellung “BeWEGung“ 

Zur Vernissage der Ausstellung „BeWEGung des Arbeitskreis „Kultur in der Kirche“ am 28. November 2018 hat Werner Erb auch Ichenheim einen Film aufgenommen, den Sie hier anschauen können: "BeWEgung" - Dokufilm der Verníssage.

SA 6. Oktober, 19.00 h : Gitarrenkonzert mit Sebastian Solis und Neven Sulic

Eine Reise durch die klassische und südamerikanische Gitarrenmusik

Der „Arbeitskreis in der Kirche“ lädt ein zu einer Reise durch die klassische und die südamerikanische Gitarrenmusik mit Neven Sulic und Sebastiän Solís. Diese unterschiedliche Künstler und Persönlichkeiten haben gemeinsam das Ziel, das Publikum in die stilistische Vielfalt und die leisen und kraftvollen Töne der Gitarre einzuführen. Mit lateinamerikanischen Kompositionen entführt Neven Sulic in die Erlebniswelt klassischer Gitarrenmusik. Der Künstler mit seiner ausgesprochen intensiven und ausdrucksstarken Musik erwarb seine musikalische Ausbildung an der Fakultät der Künste der Universidad de Chile und an dem Conservatorio Superior de Música in Barcelona. Bekannt wurde er durch zahlreiche Konzerte in verschiedenen Ländern Südamerikas und Europas. Sein argentinischer Kollege Sebastián Solís ist ein Künstler, der sein Publikum mitnimmt in das Lebensgefühl der Menschen aus dem Hochland der Anden und lässt seine Zuhörer die tiefen und einsamen Klänge der Pampa ahnen. Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Konzert in der schönen Altenheimer Friedenskirche. Eintritt 10,00 Euro.

Vortrag von Jürgen Stude zu den Glasgemälden der Altenheimer Friedenskirche am 9.9.2018

Trotz des fast hochsommerlichen Wetters waren viele Besucher am vergangenen Sonntag in die Altenheimer Friedenskirche gekommen, um sich über die Geschichte der dort eingebauten 21 Glasgemälde zu informieren. Der Arbeitskreis „Kirche und Kultur“ hatte seinen Vortrag bewusst auf den Tag des Denkmals gelegt. „Entdecke, was uns verbindet!“ lautete das diesjährige Motto des Denkmaltages - für Jürgen Stude, der der Geschichte der Glasgemälde nachgegangen ist, ist das Verbindende diese Kunstwerke der christliche Glaube. Kelch und Brot verweisen auf das Abendmahl, Zehngebotetafel, geöffnete Bibel und die Symbolwesen Mensch, Löwe, Stier und Adler verweise auf die Grundlagen des Christentums. Die farbigen Fenster wurden 1951 im Zuge des Wiederaufbaus der im Februar 1945 zerstörten Kirche eingebaut. Für den damaligen Gemeindepfarrer Lothar Volz  machten die Glasgemälde  seine Kirche zu einer „Dorfkirche der besonderen Art“.

Bislang war nicht bekannt, welcher Künstler die Glasgemälde geschaffen hatte. Durch intensive Recherchen ist es dem Referent gelungen, dieses Rätsel zu lösen. Ein erster Hinweis brachte ein im Archiv der Kirchengemeinde Altenheim aufbewahrter Briefwechsel zwischen Pfarrer Volz und Professor Erich Heckel von der Kunstakademie Karlsruhe. Für den Referent war dies eine Überraschung: Immerhin ist Erich Heckel ein Mitbegründer der 1905 gegründeten Künstlervereinigung „Die Brücke“ und einer der wichtigsten Wegbereiter des Expressionismus. Als „entarteter Künstler“ hatten die Nationalsozialisten ein Ausstellungsverbot über ihn verhängt und über 700 seiner Werke aus den Museen entfernt.

Zuerst hatte der Referent gehofft, mit Heckel den Schöpfer Glasgemälde gefunden zu haben. Allerdings ergaben seine weiteren Recherchen, dass sie Meisterschülern des berühmten Malers zuzuordnen sind. Mit Hilfe der Erich-Heckel-Stiftung konnte er schließlich ihre Namen ermitteln: Erich Appenzeller, Heinz Kupfernagel, Johannes Pawlik und Klaus Arnold. Während die ersten drei Genannten nach Abschluss ihres Studiums als Kunstpädagogen ihr Brot verdienten, folgte Klaus Arnold dem Vorbild Heckels und machte eine Karriere als freier Maler. 1960 wurde er wie dieser Professor an der Karlsruher Kunstakademie und war von 1976 bis 1988 deren Direktor. 

Heckel, der im Alter von 66 Jahren an die Karlsruher Hochschule kam, scharte eine Reihe von Meisterschülern um sich, die man in Kunstkreisen scherzhaft die Heckelfamilie nannte. Heckel sah seine Aufgabe nicht nur in der künstlerischen Ausbildung seiner Schüler. Um deren prekäre finanzielle Situation zu verbessern, versuchte er ihnen Aufträge zu verschaffen. Den Kontakt zwischen ihm und Altenheim vermittelte ihm Kirchenbaurat Herman Hampe, der für die evangelische Landeskirche den Wiederaufbau der vielen im Krieg zerstörten Kirchen in Baden organsierte. Hampe dem besonders die „Kunst am Bau“ am Herzen lag, stand im engen Austausch mit der Kunstakademie.

1951, als die Glasgemälde in die Altenheime Kirche eingebaut wurden, galt der Expressionismus bereits als veraltet. Manchen Altenheimern waren sie dennoch zu modern, wie aus einer Notiz von Pfarrer Volz, den Stude zitierte: „Die Glasgemälde werden immer besonderer Beachtung wert sein, wenn sie auch heftig diskutiert und umstritten sind.“ Klaus Arnold, der Schöpfer des großen Halbrundfensters mit dem Pfingstwunder in der Westwand der Kirche, erinnerte sich wie „die Dorfbevölkerung mit Unverständnis und offener Ablehnung reagierte“ und ihn und seine Mit-Studenten beim Einbau der Glasfenster beschimpften.

Trotz der Kritik stand die Leitung der Kirchengemeinde hinter ihrer Entscheidung, die Bilder von Heckels Meisterschülern gestalten zu lassen; zumindest legt dies ein Ratsprotokoll vom Juli 1951 nahe: „Es ist über die von Prof. Heckel vorgelegten Entwürfe für die künstlerische Gestaltung der Kirchenfenster zu beraten. Die Mitglieder des Kirchengemeinderats sind sich darüber einig, dass es jeder Mühe wert ist, sich für die Gestaltung der Fenster einzusetzen.“ Eigentlich hatte die Kirchengemeinde kein Geld für die Glasfenster, weshalb der Kirchengemeinderat beschloss „Vereine und einflussreiche Familien für dieses Projekt zu gewinnen.“ Die Idee zündete: Einige Familien und fast alle Altenheimer Vereine erklärten sich bereit, die Kosten für eines der Glasgemälde zu übernehmen. Als Dank für diese Großherzigkeit wurden ihre Namen auf den Fenstern vermerkt. Bei der zwischen 2004 und 2006 durchgeführten Renovierung der Friedenskirche gab es Bestrebungen, die Glasgemälde nicht wieder einzubauen, auf Rücksicht auf die Stifterfamilien nahm man von diesem Vorhaben Abstand- zum Glück für Altenheimer Kirchengemeinde, die Stolz auf diese besonderen Glasgemälde sein kann, wie Stude zum Abschluss seines Vortrages meinte.

Jürgen Stude

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