Vereinbarung über die Ökumenische Partnerschaft

zwischen der evangelischen Kirchengemeinde Altenheim und Müllen und der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St. Ulrich Müllen/Altenheim

Einführung

Die Rahmenvereinbarung für ökumenische Partnerschaften wurde am 27. Mai 2004 anlässlich des ökumenischen Gottesdienstes zur .Gebetswoche für die Einheit der Christen" in der St. Franziskus-Kirche zu Pforzheim von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für die Erzdiözese Freiburg und Landesbischof Dr. Ulrich Fischer für die Evangelische Landeskirche in Baden vorgestellt und unterzeichnet.

Sie möchte verbindliche Vereinbarungen zwischen Pfarrgemeinden der Landeskirche und der Erzdiözese anregen und unterstützen. Wünschenswert wäre auch die Einbeziehung von Gemeinden, deren Kirchen oder kirchliche Gemeinschaften zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg gehören, sowie von benachbarten Gemeinden in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Diese Vereinbarung wurde aufgrund der "Charta Oecumenica - Leitlinien für die Zusammenarbeit der christlichen Kirchen in Europa" und deren feierliche Bekräftigung durch die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland vertretenen Kirchen während des ersten ökumenischen Kirchentages in Berlin (2003) gestaltet. Sie wurde auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Gremien der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Erzdiözese Freiburg und in der ACK Baden-Württemberg beraten.

Präambel

  • Im Bekenntnis zur Taufe als dem gemeinsamen grundlegenden Band der Einheit in Jesus Christus,
  • getragen von der Bitte Jesu, "dass alle eins seien" (Joh 17,21),
  • im Glauben an Jesus Christus als Haupt der Kirche und Herr der Welt auf der gemeinsamen Grundlage des Wortes Gottes wie es die Heilige Schrift bezeugt,
  • auf der Grundlage des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel als Auslegung der Heiligen Schrift,
  • in Erinnerung an die von der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg 1999 unterzeichnete gemeinsame Erklärung
  • ermutigt durch die gemeinsame Unterzeichnung der Charta Oecumenica auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 und durch die langjährige geschwisterliche Zusammenarbeit unserer beiden Gemeinden
  • verpflichten sich die evangelische Kirchengemeinde in Altenheim und Müllen und die römisch-katholische Pfarrgemeinde St. Ulrich Müllen/Altenheim zu weiteren Schritten auf dem Weg zur sichtbaren Einheit in einem Glauben und in der einen eucharistischen Gemeinschaft

 

und unterzeichnen folgende Vereinbarung:

1.

Im ökumenischen Miteinander ist es wichtig, die geistlichen Gaben der verschiedenen christlichen Traditionen kennen zu lernen, sich davon bereichern zu lassen und so voneinander zu lernen.

Daher verpflichten wir uns, das Leben unserer Gemeinden auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Arbeitsbereichen kennen zu lernen, einander zu den jeweiligen Gottesdiensten und Veranstaltungen einzuladen sowie regelmäßige Begegnungen zu vereinbaren. Wir wollen Selbstgenügsamkeit überwinden und mögliche Vorurteile beseitigen, die Begegnung miteinander suchen und füreinander da sein.

2.

Unsere Ökumene lebt davon, dass wir Gottes Wort gemeinsam hören und den Heiligen Geist in uns und durch uns wirken lassen. Wir wollen den bisherigen Weg fortsetzen, durch Gebete und Gottesdienste die geistliche Gemeinschaft zwischen unseren Gemeinden zu vertiefen und die sichtbare Einheit der Kirche Jesus Christi zu fördern.

Wir verpflichten uns, auf der Grundlage der gemeinsamen Erklärung zu "Gottesdienst und Amtshandlungen als Orte der Begegnung" füreinander und miteinander zu beten.

An folgenden Feiertagen wollen wir einander einladen und nach Möglichkeit gemeinsam Gottesdienst feiern:

  • Ökumenischer Gottesdienst am 1. Januar (abwechselnd in Müllen und Altenheim)
  • Weltgebetstag der Frauen (am ersten Freitag im März)
  • Ökumenischer Jugendkreuzweg (Kreuzwegmeditation mit neuen geistlichen Liedern)
  • Ökumenische Nacht der offenen Kirche (31. Oktober)
  • Ökumenische Krippenfeier in Altenheim am 24. Dezember
  • Gottesdienste aus Anlass von Jubiläen der Vereine und Einrichtungen
  • Gottesdienste im Seniorenzentrum Neuried (wechselnd von evangelischen und katholischen Haupt- und Ehrenamtlichen gestaltet)

3.

Wir wollen als evangelische und katholische Pfarrgemeinde gemein- sam das Evangelium durch Wort und Tat für das Heil aller Menschen verkünden. Angesichts vielfältiger Orientierungslosigkeit, aber auch mannigfacher Suche nach Sinn sind wir als Christen besonders herausgefordert, unseren Glauben zu bezeugen. Dazu bedarf es des verstärkten Engagements und des Erfahrungsaustausches in Katechese und Seelsorge. Ebenso wichtig ist es, dass das ganze Volk Gottes gemeinsam das Evangelium in die gesellschaftliche Öffentlichkeit hinein vermittelt, als auch durch sozialen Einsatz die Wahrnehmung von politischer Verantwortung zur Geltung bringt. Daher verpflichten wir uns, auf folgenden Ebenen und in folgenden

  • Arbeitsbereichen einander stets zu informieren und Absprachen zu treffen bzw. gemeinsam zu handeln:
  • Arbeitsbereich "Kindertagesstätten"
  • Arbeitsbereich "Jugendarbeit"
  • Arbeitsbereich "Schule" (z.B. ökumenischer Schulgottesdienst zum Schuljahresbeginn, konfessionelle Kooperation)
  • Arbeitsbereich "Soziale Dienste" (Hospizgruppe)
  • Arbeitsbereich "Alten- und Pflegeheime" (Besuchsdienste im
  • Seniorenzentrum Neuried)
  • Arbeitsbereich "Kasualien"
  • Arbeitsbereich "Kirchenmusik"

4.

Ökumene geschieht bereits in vielfältigen Formen gemeinsamen Handelns in der Erzdiözese Freiburg, in der Evangelischen Landeskirche in Baden und in unseren Gemeinden. Viele Christen leben und wirken gemeinsam in Freundschaften, in der Nachbarschaft, im Beruf und in ihren Familien. Insbesondere konfessionsverbindende Ehen und Familien müssen darin unterstützt werden, Ökumene in ihrem Alltag zu leben.

Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, auf denen die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens dem entgegenstehen.

Insbesondere vereinbaren wir für unsere Gemeinden:

  • Gemeinsame Sitzung und Begegnung von Kirchengemeinderat und Pfarrgemeinderat (mindestens einmal pro Jahr)
  • Ökumenische Arbeitstreffen der Hauptamtlichen
  • Gegenseitige Einladung zu Aktivitäten ( z.B. Ulrichfest und Pfarrgartenfest)

5.

Unsere in Christus begründete Zusammengehörigkeit und Einheit ist von grundlegender Bedeutung.

Wir verpflichten uns, die ökumenische Gemeinschaft im Dialog zwischen unseren Gemeinden gewissenhaft und intensiv fortzusetzen. Wenn Kontroversen in Fragen des Glaubens und der Ethik bestehen, wollen wir das Gespräch suchen und alle, auch strittige Fragen gemeinsam im Licht des Evangeliums und der Überlieferung unserer Kirchen erörtern.

6.

Die Partnerschaft unserer Gemeinden ist offen für die Partnerschaft mit weiteren christlichen Gemeinden in unserer Region und an unserem Ort. Für die Aufnahme in die Partnerschaft ist allerdings Voraussetzung, dass die betreffende Gemeinde als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg angehört oder mit ihr in grenzüberschreitender Zusammenarbeit verbunden ist.

Abschluss

Mit dieser Vereinbarung geben wir dem zwischen uns gewachsenen Miteinander einen verbindlichen Rahmen und verpflichten uns, dieses Miteinander auch weiterhin zu fördern und zu entwickeln.

So suchen wir der Gemeinschaft in Zeugnis und Dienst gerecht zu werden zur Ehre Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Müllen und Altenheim, den 7. Februar 2010

Für die Evangelische Kirchengemeinde Altenheim und Müllen haben die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Gudrun Dreyer und der Stellvertretende Vorsitzende Pfarrer Bodo Holthaus unterschrieben; für die katholische Pfarrei St. Ulrich Müllen/Altenheim Pfarrer Böser und Pfarrgemeinderatsvorsitzende

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