Kirchenchor

 
 
 
Sprecherin Ingrid Nickert-Stude
Tel. 07807-957612
 

60 Jahre Kirchenchor

Film von Othmar Ternai. Bitte hier klicken:
 
 

Gründungsgeschichte

Der Chor wurden 1959 gegründet

Der Chor um 1972

Die evangelische Gemeinde war von Anfang an eine singende Gemeinde. Martin Luther und seine Mitstreiter hatten rasch erkannt, welchen wichtigen Beitrag der Chorgesang zur Verkündigung des Evangeliums und im liturgischen Geschehen leisten kann. Trotz der Bedeutung, die die Reformatoren dem Gesang beimaßen, kam es im Laufe der Zeit allgemein zu einer Verflachung des gottesdienstlichen Singens. Das Gesangbuch schildert die Situation im frühen 19. Jahrhundert: „Beim Singen kam man mit wenigen Lehnmelodien aus; neu  entstandene Melodien gaben sich nüchtern oder gefühlig ohne rhythmische Vielfalt und ohne melodischen Schwung. Das Tempo des Singens verlangsamte sich immer mehr …..“ Dieser Verarmung wollten Freunde des mehrstimmigen Gesangs entgegenwirken. Landab landauf kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Gründungen von Kirchenchören.

Im landeskirchlichen Archiv in Karlsruhe liegt eine dicke Akte mit den Berichten der Altenheimer Pfarrer, die anlässlich der alle paar Jahre stattfindenden Gemeindevisitationen durch den Oberkirchenrat entstanden. Diese zeigen, dass auch in Altenheim bereits in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts Christen für den mehrstimmigen Kirchengesang einsetzten.

Von einem ersten Altenheimer Kirchenchor hören wir 1882 aus einem Bericht von Pfarrer Karl Friedrich Hansult: „In den Jahren 1876 bis 1877 bestand hier ein gemischter Chor“. Hansult bedauerte dessen Auflösung nicht allzusehr, denn schließlich gab es den Männergesangverein, der auch „an den Geburtstagen des Großherzogs und des Kaisers passende vaterländische Lieder in der Kirche vorträgt.“ Zehn Jahre nach dem Scheitern des ersten Chores wagten Gemeindemitglieder einen Neuanfang, wie Hansult berichtete: „Auf 1. Advent 1886 wurde ein Kirchengesangverein, gemischter Chor gegründet. Derselbe zählt circa 30 Mitglieder und wird von dem dritten Hauptlehrer Reinmuth dirigiert.“ Leider löste sich dieser Chor ebenfalls nach einem Jahr wieder auf, aber immerhin „habe derselbe mitgeholfen, die neuen Melodien des neuen Gesangbuches in der Gemeinde einzubürgern“.

1895 kam es zu einem dritten Anlauf. Gleich bei seinem Start hatte der neue Chor 22 aktive und 104 passive Mitglieder. Vom Kirchengemeinderat erhielt er „jährlich die bedeutende Summe von 100-125 Mark“ als Zuschuss. Sieben Jahre später war es auch damit wieder vorbei. Hansults Nachfolger, Pfarrer Johannes Friedrich Heinrich Mulsow, erklärte 1902 dem Visitationskomitee: „Der Kirchenchor hat sich im vorigen Jahr aufgelöst, teils aus Zorn über eine vom Kirchengemeinderat empfangenen ernsten Rüge. Was es damit auf sich hatte, bleibt offen, doch betonte Mulsow, dass nur ein  „der Erbauung und nicht dem Vergnügen dienender Chor“ gefördert werden kann. Altenheim blieb weiterhin ohne Chor. Am Arragement mit dem Männerchor wollte niemand rütteln, denn dies könnte zu „Reibereien“ führen, wie Pfarrer Otto Rahm 1933 zu bedenken gab.

Der Anstoß für eine Neugründung kam von außen: Die Visitationskommission, erschüttert von dem darniederliegendem Gemeindeleben nach dem Krieg, ließ im Frühjahr 1948 den Altenheimerinnen und Altenheimern eine Botschaft von der Kanzel verlesen: „Schön wäre es, wenn es Euch gelänge einen Kirchenchor oder doch einen Jugendsingkreis zu gründen, der Eure Gottesdienste mit dem wertvollen christlichen Liedgut bereichert. Wenn Eure Jugend Freude am Gottesdienst bekommen soll, muss auch ein neues, frisches Singen einkehren.“ Trotz dieses leidenschaftlichen Apells tat sich vorerst wenig, allerdings übernahmen Mitglieder des Mädchenkreises „ab und zu die Aufgabe eines Kirchenchors“. Das ließ Pfarrer Gustav Löffler hoffen „dass aus diesem Kreis ein Chor erwächst, der zum Lobe Gottes und zur Erbauung der Gemeinde wirken darf“. Sein Wunsch ging in Erfüllung - 1959 konnte er dem Visitationskomittee die Gründung eines neuen Chores melden: „Freilich ist er noch ein sehr schwaches Pflänzlein, das viel Liebe und Pflege braucht.“

 

 

Stimmen aus dem Chor

 
Eine Chorprobe ist wie ein kleiner Urlaub!

Wir bilden eine schöne Gemeinschaft!

Kirchenmusik spricht mich an!

Ich habe Freude am Singen, nach der Probe habe ich immer gute Laune!
 
Singen erhebt!

Die Proben und die Aufführungen sind Höhepunkte im Alltag!

Der Chor fordert mich, immer wieder etwas Neues zu lernen!

Mir macht es Freude, den Gottesdienst mit Liedern zu bereichern!
 

Interview 2009 mit Helga Adam (Gründungsmitglied)

Interview mit Helga Adam, Gründungsmitglied und langjährige Kassenwartin, zur Geschichte des Kirchenchores 2009
 
Wer ergriff die Initiative zur Gründung des Kirchenchores?
Wilhelm Hauer, war Lehrer und Organist in Altenheim, von ihm ging die Initiative zur Gründung des Kirchenchores aus. Er wollte neues Liedgut in den Gottesdienst einbringen und den Gemeindegesang modernisieren. Unermüdlich ging er von Haus zu Haus um für den Chor zu werben. Pfarrer Löffler unterstützte ihn bei der Suche und sprach junge Leute aus dem Jugendkreis an. Seine Frau sang später im Alt. 1959 war es dann soweit: Mit 25 Sängerinnen und Sanger startete der neu gegründete Chor und begann mit den Proben, damals noch im Schulhaus. Der erste Auftritt im Gottesdienst war an Pfingsten 1959. Drei Gründungsmitglieder singen heute noch im Chor, das sind Friedel Stoll, Hans Nickert und ich.
 
Was hat Dich motiviert im Kirchenchor zu singen?
Ich war damals 14 Jahre alt. Zu der damaligen Zeit gab es für Mädchen keine andere Möglichkeit in Gemeinschalt zu singen. Im Männergesangverein wie auch im Musikverein waren nur Männer aktiv, so dass der Kirchenchor für junge Frauen die einzige Möglichkeit war sich musikalisch zu betätigen.  Außerdem war es mir als Mädchen dadurch mit Erlaubnis der Eltern möglich, wochentags abends weg zu gehen und sich mit Gleichaltrigen zu treffen.
 
Haben sich die Chorproben im Laufe der Zeit geändert?
Der Ablauf der Proben hat sich nicht wesentlich geändert, es gab immer wieder Schwierigkeiten mit der Pünktlichkeit, doch nahmen früher wie heute alle Rücksicht aufeinander, sodass die einzelnen Stimmen in Ruhe üben können.
 
Welche Schwerpunkte hatten die verschiedenen Dirigenten?
Herr Hauer hat eher schlichte Chorale eingeübt, ihm war es wichtig, den Gottesdienst mit neuen Liedern zu bereichern. Sein Nachfolger Herr Wieland legte seinen Schwerpunkt auf eine klare Aussprache der Texte, das Liedgut wurde anspruchsvoller, die Mitglieder hatten ja in der Zwischenzeit auch einige Jahre Chorerfahrung. Unter Claus Biegert kam für mich die Glanzzeit des Kirchenchores, ihm gelang es viele neue Mitglieder zu gewinnen. Es wurde nun zum ersten Mal mit Orchester gesungen und große Werke wie der Messias, die Schöpfung und Elias aufgeführt. Dazu wurden Solisten engagiert und Gastsänger aus anderen Chören geworben. Für einen Dorfkirchenchor hatten wir ein ungewöhnlich hohes Niveau erreicht, Christoph Grau und Frank Spengler leiteten einige Jahre gemeinsam den Chor, was zu einer Ausweitung des Repertoires führte. Die Spezialität von Alfred Lauel waren Bachlieder und Kantaten, er legte viel Wert auf präzises Singen, das Orgelbüchlein von Bach wurde von vorn bis hinten gepaukt. Mit Antje Tomaschke übernahm eine junge Frau die Chorleitung zur Freude der Männer. Sie hatte eine wundervolle Stimme und leitete den Chor mit der ihr eigenen Freundlichkeit und Leichtigkeit. Carlo Bäder hat sie abgelöst, er war ein Vollblutmusiker, liebte den Jazz und vor allem die Rhythmik. Er war eine neue Herausforderung für den Kirchenchor, komponierte Lieder speziell für uns und schrieb auch einzelne Stimmen um. Er liebte moderne und flotte Lieder. Viele haben sich gewundert, dass er einen Dorfchor als Dirigent übernommen hat. Wenn man ihn darauf ansprach, meinte er nur: Bei Euch fühle ich mich wohl, ich liebe die Geselligkeit - die Altenheimer können so schöne Feste feiern”. Seit dem Tod von Herrn Bäder leitet Irena Heinrich mit jugendlicher Leichtigkeit den Chor, sie ist eine gute Musikerin und Sängerin mit der wir sicher noch mache neue Herausforderung meistern werden.
 
Wie war die Chorgemeinschaft organisiert?
Unserer erste „Obfrau” Brigitte llch war es von Anfang an ein Anliegen, die Chorgemeinschaft zu bilden und zu festigen. Sie besuchte Singfreizeiten, interessierte sich für Kirchenmusik und hielt gute Kontakte zu den Chorleitern und den Pfarrern. Nach einigen Jahren wurde ein Arbeitskreis gebildet und die Verantwortung für den Chor auf mehrere Schultern verteilt. Ich hatte die Kassenführung und die Organisation von Festen und Ausflügen übernommen, Nach Brigitte llch übernahm Alfred Wetzel das Amt des „Obmannes”, dass er nun schon seit 26 Jahren mit viel Elan und Verantwortung ausfüllt. Ihm ist nichts zu viel, er hat immer Zeit, wenn es um die Anliegen des Chores geht. Seine ausgleichende Führung ist ein Glück für den Chor. Nach der Verlegung der Proben von der Schule in das evangelische Gemeindehaus, lag es es nahe, das benachbarte Ratstüble zum zweiten Probelokal zu machen.  Nach den Proben wird dort rege diskutiert und so manche gute Idee wurde dort geboren. Während den Proben gibt es keine Möglichkeit zum Reden, da wir ja keine Pausen machen.
 
Was bringt es Dir persönlich, im Kirchenchor zu singen?  
Nach einer anstrengenden, arbeitsreichen Wache gehe ich meist müde in die Chorprobe — und das Erstaunliche geschieht: Das Singen entspannt mich, ich fühle mich befreit von den Alltagssorgen und bin nach der Probe wieder fit und gut gelaunt. lch singe gerne, die Gemeinschaft bringt mir viel. Der Chor ist für mich zur zweiten Heimat geworden. Als große Belohnung erlebe ich es, wenn wir Werke aufführen und alles klappt. lch glaube, dass ich als Sängerin mehr von einer Aufführung profitiere als mancher Zuhörer.
 
Was wünschst Du dir für die Zukunft des Kirchenchores?
Ich vertraue darauf, dass es immer weitergeht, es gab schon Zeiten, wo es so aussah, als würde der Chor sich auflösen, doch es gab immer wieder eine gute Fügung und ein neues Licht am Horizont, Ich wünsche mir, dass der Chor noch weitere 50 Jahre besteht, immer wieder gute Dirigentinnen oder Dirigenten und neue Sängerinnen und Sänger gefunden werden. lch bin sehr zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft gelingen wird.